Für Alice Tzinoglou begann alles an einem gewöhnlichen Sommerabend. Nach einer Yoga-Stunde wollte sie noch schnell zu einem kleinen Bach in den Westlichen Wäldern bei Augsburg fahren, an dem sie sich gelegentlich frisches Wasser holt. Es war Mitte Juni, gegen 22 Uhr. Die Sonne war bereits untergegangen. Der Weg führte nur wenige Schritte in den Wald hinein.
„Schon nach wenigen Metern sah ich in der Dämmerung plötzlich Tausende kleine Lichter tanzen: winzige Glühwürmchen, die über dem feuchten Waldboden schwebten. So etwas hatte ich noch nie gesehen“, erzählt Alice Tzinoglou.
Sie blieb nur kurz. Doch das Erlebnis ließ sie nicht mehr los. „In dieser Nacht konnte ich kaum schlafen.“ Schon am nächsten Abend kehrte sie zurück, gemeinsam mit ihren beiden erwachsenen Söhnen und ihrem Freund. Wieder schwebten die kleinen Lichter durch die Dunkelheit. Diesmal staunten sie alle vier über das Lichtermeer im Wald – es war ein magischer Moment. Seitdem gehört der Besuch der Glühwürmchen für die Familie zum Sommer dazu.
Staunen im Alltag
Vielleicht kennen auch Sie solche Augenblicke. Momente, in denen die Welt plötzlich größer wirkt als noch wenige Sekunden zuvor. Ein Sonnenaufgang. Ein Regenbogen. Das erste Vogelkonzert im Frühling. Oder eben Tausende winzige Leuchtkäfer in einer Sommernacht.
Solche Erfahrungen berühren etwas in uns, das im Alltag oft zu kurz kommt: die Fähigkeit zu staunen.
Staunen bedeutet nicht unbedingt, etwas Spektakuläres zu erleben. Es entsteht häufig gerade dort, wo wir nichts erwarten. Für einen Moment treten Sorgen, Termine und Gedanken in den Hintergrund. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit ganz auf das, was gerade ist. Vielleicht fühlen sich solche Augenblicke deshalb so kostbar an.
Ein kleiner Lichtpunkt
Die Glühwürmchen sind übrigens jedes Jahr nur für kurze Zeit zu sehen, meist ab Mitte oder Ende Juni. Sie lieben warme, windstille Sommernächte und feuchte Waldränder. Besonders in der Dämmerung beginnen die Männchen zu leuchten und durch die Luft zu tanzen – auf der Suche nach einem Weibchen.
Wer ihnen begegnet, nimmt meist mehr mit nach Hause als nur eine schöne Erinnerung.
Und manchmal genügt ein kleiner Lichtpunkt in der Dunkelheit, um sich daran zu erinnern, wie viel Wunderbares es noch zu entdecken gibt.


