Selbstannahme bedeutet nicht, sich perfekt zu finden, sondern sich mit eigenen Mustern und Schwächen besser zu verstehen. Kleine Schritte helfen, sich selbst freundlicher zu begegnen.
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Viele Menschen haben das Gefühl, dass etwas „nicht stimmt“ mit ihnen. Sie funktionieren im Alltag, erfüllen Erwartungen – und trotzdem bleibt innerlich oft das Gefühl, nicht zu genügen. Es sind Zweifel wie diese, die dann hochkommen:
„Ich bin nicht gut genug.“ Oder: „Ich sollte mich mehr zusammenreißen.“
Oft sind es alte innere Muster, die sich im Laufe des Lebens entwickelt haben und sich in bestimmten Situationen automatisch melden, wie ein gewohnter innerer Reflex. Viele dieser Reaktionen fühlen sich im Moment sehr persönlich an, fast wie eine Wahrheit über uns selbst. Doch in Wirklichkeit sind es oft erlernte innere Bewertungen, die irgendwann übernommen wurden – und heute einfach automatisch ablaufen, ohne dass wir sie bewusst hinterfragen.
Diese Gedanken sagen nicht zwingend etwas über den aktuellen Moment aus, sondern eher darüber, wie wir gelernt haben, auf uns selbst zu schauen.
Das Entscheidende ist:
Und genau hier entsteht auch ein anderer Spielraum: Wenn wir merken, dass es sich um solche erlernten Muster handelt, kann das der Moment sein, in dem wir beginnen, uns selbst nicht nur kritisch zu betrachten, sondern ein Stück liebevoller und verständnisvoller.
Doch Selbstannahme bedeutet nicht, alles an sich toll zu finden. Sondern sich selbst auch mit den Seiten auszuhalten, die anstrengend sind.
Dazu gehören:
Unsicherheiten
alte Reaktionsmuster
Perfektionismus
das Bedürfnis, es allen recht zu machen
Diese Muster entstehen oft früh und laufen später automatisch im Alltag mit.
Warum wir uns selbst so streng sehen
Viele innere Reaktionen haben ihren Ursprung darin, wie wir gelernt haben, mit Erwartungen und Stress umzugehen. Wenn Kinder früh erleben, dass Anpassung oder Leistung wichtig ist, entwickeln sich oft innere Strategien:
besonders gut sein wollen
niemandem zur Last fallen
Fehler vermeiden
Kontrolle behalten
Diese Muster sind zunächst hilfreich gewesen – später können sie Druck erzeugen.
Der erste Schritt: Muster erkennen
Ein zentraler Schritt in Richtung Selbstannahme ist deshalb das Beobachten der eigenen inneren Reaktionen.
Nicht: „Ich bin so.“
Sondern: „Ich reagiere gerade so.“
Ein praktischer Ansatz für den Alltag
Hilfreich ist es, wiederkehrende innere Sätze bewusst wahrzunehmen.
Zum Beispiel:
„Ich mache das nicht gut genug“
„Ich darf keinen Fehler machen“
„Ich muss es richtig machen“
Statt automatisch darauf zu reagieren, kann ein innerer Zwischenschritt entstehen: „Das ist gerade ein alter Gedanke, der sich wieder meldet.“
Selbstannahme heißt: Druck rausnehmen
Viele Menschen versuchen, sich selbst durch Druck zu verändern. Doch Selbstannahme funktioniert anders. Sie beginnt dort, wo man aufhört, sich innerlich ständig zu korrigieren – und beginnt, sich selbst besser zu verstehen.
Ein einfacher Perspektivwechsel
Wenn ein inneres Muster auftaucht, kann folgende Frage helfen: „Würde ich so auch mit jemandem sprechen, den ich gern habe?“
Diese Frage ist kein Vorwurf, sondern eine kleine Unterbrechung des eigenen Autopiloten.
Selbstannahme ist ein Prozess
Es geht nicht unbedingt darum, sich dauerhaft „gut“ zu fühlen. Sondern sich selbst besser kennenzulernen. Je besser man die eigenen Muster versteht, desto leichter wird es, Abstand zu ihnen zu gewinnen – ohne sie bekämpfen zu müssen. Diese kleinen Momente der Erkenntnis bringen uns näher zu uns selbst.