Tief durchatmen: Bewusstes Atmen beruhigt Körper und Geist, reduziert Stress und hilft, in unruhigen Zeiten wieder zur Ruhe zu finden.
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Foto: KI generiert mit Midjourney/Agentur2
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Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade am Meer, gehen am Strand spazieren und saugen die salzige, reine Luft in Ihre Lungen. Legen Sie dabei doch mal eine Hand auf Ihren Bauch. Spüren Sie, wie sich die Bauchdecke beim Einatmen sanft hebt und beim Ausatmen wieder senkt? Nein? Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein. Denn was Babys gleich auf Anhieb können, haben wir mit der Zeit verlernt: die Bauch-Atmung. Stattdessen dominiert eine flachere, unruhigere Form des Atmens, die eng mit Stress, Haltung und Alltag verbunden ist.
„Die meisten Menschen atmen falsch, ohne es zu wissen, weil sie sich im Laufe der Jahre an eine flache und unregelmäßige Atmung gewöhnt haben“, sagt die Sport- und Gymnastiklehrerin Heike Höfler, die sich auf Atemwegs- und Lungenkrankheiten spezialisiert hat.
Warum wir das tiefe Atmen verlernen
Dass wir zu oberflächlich und hektisch atmen, liegt meist an einer Kombination aus Sorgen, Stress und zu wenig Bewegung. Sind wir angespannt oder ängstlich, verkrampft die Muskulatur, die wir für tiefe Atemzüge brauchen.
Gleichzeitig verändert langes Sitzen unsere Körperhaltung: Die Schultern ziehen nach vorn, der Brustkorb wird enger, der Atem automatisch flacher. Hinzu kommt ein Bild, das viele von uns geprägt hat: Bauch einziehen, Haltung bewahren, „schlank wirken“. Doch genau dieses permanente Einziehen verhindert, dass sich das Zwerchfell frei bewegen kann.
Denn wenn wir den Bauch ständig einziehen, kann sich unser wichtigster Atemmuskel, das Zwerchfell, nicht mehr ausdehnen und es fließt weniger Luft in die Lunge. In der Folge bekommen die Organe weniger Sauerstoff, unser ganzer Körper wird schlechter durchblutet, wir fühlen uns müde und schlapp.
Wenn der Atem wieder Raum bekommt
Die gute Nachricht: Der Atem reagiert unmittelbar auf Veränderung. Sobald wir beginnen, wieder bewusst in den Bauch zu atmen, verändert sich der gesamte Körperzustand. Der Brustkorb wird weiter, die Atmung ruhiger, der Körper beginnt sich zu entspannen.
„Indem wir tief und langsam atmen, schlägt das Herz ruhiger, der Blutdruck normalisiert sich und die Muskeln entspannen“, erklärt Heike Höfler.
Was dabei geschieht, ist eine direkte körperliche Reaktion: Mehr Sauerstoff erreicht die Zellen, der Organismus kommt aus dem Stressmodus heraus.
Der Atem als Brücke zwischen Körper und Psyche
Dass der Atem weit mehr ist als ein körperlicher Vorgang, zeigen auch jahrtausendealte Traditionen. In Methoden wie dem Ayurveda oder in der Atemarbeit spielt er eine zentrale Rolle – als Zugang zu Ruhe, Klarheit und innerer Stabilität.
Auch die moderne Forschung bestätigt diesen Zusammenhang. Studien zeigen, dass ruhige, tiefe Atemzüge das Nervensystem beeinflussen können: Stressreaktionen nehmen ab, die Stimmung stabilisiert sich, innere Anspannung kann sich lösen. Das gesamte vegetative Nervensystem beruhigt sich. In der Folge fühlen wir uns oft schon nach wenigen tiefen Atemzügen entspannter und widerstandsfähiger.
Eine Kraft, die wir täglich nutzen können
Atemübungen sind kein Spezialwissen und kein kompliziertes Training. Oft reichen wenige Minuten am Tag, um spürbare Veränderungen zu erleben. Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Wahrnehmung: Wie fühlt sich der eigene Atem an? Wo ist er eng, wo frei?
Der Atem ist immer da. Selbst dann, wenn wir ihn kaum bemerken. Um ihn wieder zu spüren, braucht es keine Vorbereitung. Nur einen Moment des bewussten Ein- und Ausatmens.